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Museum of Modern Electronic Music erhält Rüge

Museum of Modern Electronic Music (MOMEM)

Das Museum of Modern Electronic Music (MOMEM) wurde nach mehreren Verzögerungen am 6. April in Frankfurt eröffnet. Das Museum, das bereits 2015 angekündigt wurde, will die Geschichte und Zukunft der elektronischen Musik durch verschiedene Ausstellungen und immersive Installationen feiern. Eröffnet wurde das Museum mit einer Ausstellung von Sven Väths persönlichem Kunst-, Film-, Foto- und Soundarchiv. Während das MOMEM von der Öffentlichkeit und der Stadt Frankfurt mit Spannung erwartet wurde, gab es am Eröffnungsabend Kritik wegen mangelnder Inklusivität.

Museum of Modern Electronic Music mit Rüge

In einem offenen Brief an die Stadt Frankfurt rügte das internationale Netzwerk von AFAB-, nicht-binären und weiblichen* Elektronikmusikerinnen und -kreativen female:pressure das Museum, weil es schwarze und queere Pionierinnen und Pioniere des Techno nicht anerkennt. „Mit großer Irritation haben wir die Veranstaltungen zur Eröffnung des MOMEM – Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt zur Kenntnis genommen“, heißt es in dem Brief und weist darauf hin, dass in der Eröffnungsausstellung des MOMEM ausschließlich Cis-Männer zu sehen waren, während der Vorstand des Museums ausschließlich männlich ist. In dem Brief kritisiert female:pressure außerdem die Einladung zur Eröffnung des MOMEM, die vom Magistrat der Stadt Frankfurt verschickt wurde und die Frankfurt als „Ursprungsort“ des Techno suggeriert.

Techno Wurzeln

Historisch gesehen ist das falsch. Die Wurzeln von Techno lassen sich bis zu schwarzen und queeren amerikanischen Pionieren zurückverfolgen, die die Form in den wichtigsten Städten, vor allem in Detroit, Chicago und New York, etablierten. Obwohl Techno zeitgleich in Europa (insbesondere in Deutschland) entstand, war der Sound sehr unterschiedlich und das, was wir heute in Deutschland als Techno bezeichnen, ist das Ergebnis der Übernahme des Detroiter Sounds in unseren eigenen Kanon. „Sollte es sich bei dem Anspruch um eine reine Marketingmaßnahme handeln, werden die Kulturen von Menschen mit Migrations- und Unterdrückungsgeschichte in unzulässiger Weise ausgebeutet, indem ihre Errungenschaften an den Rand gedrängt werden“, so female:pressure in ihrem Brief. „Damit wiederholt sich auch die wirtschaftliche Ausbeutung, die Protagonisten der frühen Techno- & House-Szene in Deutschland/Europa erfahren haben.“

Seit der offiziellen Ankündigung der Eröffnung wurde nur wenig über die Exponate im MOMEM bekannt gegeben, abgesehen von Väths Eröffnungsausstellung. Auf der Website des MOMEM ist jedoch zu lesen: „First Things First: Black Music Matters“, was laut female:pressure ein strategischer Schachzug des MOMEM sein könnte, ohne dass die Pioniere der Schwarzen und der POC konkret gewürdigt werden. In dem Brief, der direkt an Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann und die Kulturdezernentin der Stadt, Dr. Ina Hartwig, adressiert ist, schreibt female:pressure, dass sie „schockiert sind, dass bei einer Veranstaltung, die von der Stadt und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt umfangreich finanziert wird und für die Stadt von so großer Bedeutung ist, die vielfältigen Leistungen von Frauen und nicht-binären Künstlerinnen in und für die Geschichte der elektronischen Musik derart ignoriert werden.“ Das MOMEM hat sich nicht dazu geäußert, obwohl DJ Franziska Berns als einzige weibliche Künstlerin auf dem Programm der Eröffnungsveranstaltung des Museums stand.

Credits: MOMEM Press

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